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Red Pills in Black Boxes – Projektionen des NichtWissens, 9.10., 16.10., 23.10., 30.10., 19:00 Uhr

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Film | Kunst | Gespräch

Filmreihe zum Schwerpunkt Nichtwissen

programmiert von Sabrina Kern und Amina Lehner

Die Filmreihe Red Pills in Black Boxes – Projektionen des NichtWissens projiziert Formen von NichtWissen auf die Leinwand. In The Matrix lässt Morpheus Neo die Wahl zwischen der roten Pille, die zu Wissen, Freiheit und der oft schmerzhaften Wahrheit führt und der blauen Pille, die ihm zwar Sicherheit verspricht, die aber auf Ignoranz und Illusion basiert.
In den gezeigten Filmen geht es um sich verkörperndes NichtWissen, um Schwarzes Wissen gegen weiße Ignoranz und Unterdrückung, um NichtWissenspositionen von Opfern und Täter*(innen) in Genoziden, und darum, dass die Natur dem menschlichen NichtWissen immer schon ein Schnippchen geschlagen hat.

09.10., CUNTst wissen?
Dieser Abend ist jenen Teilen des menschlichen Körpers gewidmet, die dem Patriarchat verschuldet, jahrelang ins Nichtwissen verdrängt wurden: der Vulva und der Klitoris. Dabei stellen schon die Begriffe eine Herausforderung dar, da sie schambehaftet, sexistisch und unpräzise sind. Diesen Herausforderungen müssen sich Feminist*innen, ebenso wie Mediziner*innen und Sexualpädagog*innen immer wieder stellen. Viele feministische Kampagnen wie u.a. die Vagina Monologues beziehen sich eigentlich auf die Vulva, nicht auf die Vagina. Dafür beinhaltet das Wort Klitoris, das die meisten namentlich richtig kennen – der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet ‚kleiner Hügel‘ –, einen eklatanten Maßstabsfehler: Dieser Lusthügel ist vielmehr ein Lustberg, die Spitze des Eisbergs sozusagen. Cunt, Vagina, Vulva, Klitoris sind auch heute noch umwuchert von Nichtwissen, sie werden häufig durch körperliche Zurichtungen und operative Schnitte verändert oder unsichtbar gemacht. Gerade bei intergeschlechtlichen Personen hat dieses NichtWissen rund um die Klitoris, diese müsste korrekterweise Phalloklitoris heißen, katastrophale Folgen. Intersex Körper werden oft schon im Kleinkindalter für Normierungszwecke verstümmelt, diese nach wie vor gängige Praxis in der westlichen Medizin, greift damit das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit an.
Gezeigt werden die beiden Filme Vulva 3.0 und Le Clitoris – Animated Documentary, die dieses NichtWissen lustvoll thematisieren und ihm entgegentreten. Erweitert wird der Abend durch einen Künstler*innen-Talk mit Amina Lehner und Isabel Fröschl zu ihren künstlerischen Arbeiten im Feld der Cunt-Art/Clit-Art.

16.10., Black Knowledge – White Ignorance
Was bedeutet Wissen in einer Gesellschaft, die auf Ignoranz, Unterdrückung und Ausbeutung von all jenen, die nicht weiß, männlich, heterosexuell und able-bodied sind, basiert? Schwarzes Wissen stellt sich dieser Dominanzkultur entgegen und entwickelt ein widerständiges Wissen, ein Wissen, dass die Geschichten der Unterdrückungen nicht negiert. Gezeigt werden die beiden Filme Angela Davis. Portrait of a Revolutionary und Audre Lorde – Die Berliner Jahre.
Angela Davis, US-amerikanische Revolutionärin, Mitglied der Black Panther Party, Kommunistin, Philosophin, Sozialwissenschaftlerin, wuchs zu einer Zeit auf, als in den meisten Südstaaten Schwarzen der Zugang zu höheren Schulen und Universitäten verwehrt wurde. Eine strukturelle Diskriminierung, die sich zum Teil bis heute fortzieht. Auch in Österreich sind nach wie vor kaum Schwarze Professor*innen an den Universitäten zu finden. Angela Davis lehrt seit Ende der 1960er-Jahre trotz zahlreicher staatlicher Repressionen an verschiedenen Universitäten. Sie setzt sich bis heute aktiv gegen Unterdrückung und Rassismus und für die Gleichberechtigung von BPoCs (Black and People of Colour), Frauen* und für Minderheitenrechte ein. Der Fokus ihrer Arbeit liegt in den letzten Jahren vor allem auf der Analyse des ‚Gefängnis-Industrie-Komplexes‘ sowie auf der Abschaffung der Todesstrafe.
Audre Lorde (verstorben 1992), die sich selbst als black lesbian feminist mother poet warrior beschrieben hat, war Aktivistin und Schriftstellerin. Sie beeinflusste maßgeblich BPoC, feministische und queere Bewegungen. Zwischen 1984 und 1992 hielt sie sich oft in Berlin auf, wo sie auch eine Gastprofessur an der Freien Universität Berlin innehatte. Der Dokumentarfilm thematisiert ihr Engagement in der afro-deutschen Community der 1980er und 1990er Jahre und ihre Beteiligung an der Entstehung der afro-deutschen Bewegung.
In Kooperation mit dem Infobeisl

23.10., Medien der Erinnerung in S21
Der dritte Abend der Filmreihe thematisiert Zeitzeug*innen eines Genozids und ihre unterschiedlichen Zugänge zu und Verkörperungen von NichtWissen. Der Film S21 – Die Todesmaschine der Roten Khmer konfrontiert Überlebende des Tuol Sleng Gefängnisses in Phnom Penh (S21) mit Wach- und Vernehmungspersonal. Mittels des Einsatzes von gemalten Bildern, Fotografien, Interviews und Re-enactments werden die Vorgänge in dem Gefängnis rekonstruiert. Die verschiedenen Medien zeugen von je eigenen Potentialen des NichtWissens und ergeben erst im Kontext ein Bild von der Folter- und Tötungspraxis der Roten Khmer.
Nach dem Screening wird Angela Koch den Dokumentarfilm aus einer erinnerungspolitischen und medienwissenschaftlichen Perspektive diskutieren.
In Zusammenarbeit mit der Abteilung MKKT der Kunstuniversität Linz

30.10., Staying in Wonderland
Isabella Rossellini zeigt in ihrer 2008 entwickelten Kurzfilm-Serie Green Porno einen kleinen Ausschnitt des vielfältigen Sexualverhaltens von Insekten und anderen nichtmenschlichen Tieren in unserer nächsten Umgebung. Dazu schlüpft sie in schrille, selbstgenähte Kostüme und stellt dar, wie wir uns Paarungsverhalten und sexuelles Begehren von Stubenfliege und Schnecke vorstellen können. An den Erfolg der Serie schließt sie mit den Serien Seduce Me (2010) und Mammas (2013) an. Diese zeigen Verführungsrituale und heterogene Formen der Mütterlichkeit in der Tierwelt. Die bizarren und humorvollen Kurzfilme stehen im Gegensatz zu den Versuchen, Natur und Tierwelten in starre Wissenskategorien einzuteilen. Rossellini zeigt mit ihren Clips, dass es nicht gelingen kann, heteronormative sexuelle Vorstellung mit einem Bezug auf die Natur zu legitimieren.
Diesen Abend wie auch die Filmreihe beschließt Denice Bourbon: Denice Bourbon talks about being a prude queerfeminist curious slut; an educational comedy performance filled with true stories from a 41 year old lesbian who still thinks she is punk rock even though her life is very arty bourgoise.
In Kooperation mit dem Infobeisl

9.10., CUNTst wissen?
Vulva 3.0. Regie: Claudia Richarz, Ulrike Zimmermann. DE 2014. 79 Min.
Le Clitoris – Animated Documentary. Regie: Lori Mallépart-Traversy. CA 2016. 03:16 Min.
Künstler*innentalk mit Amina Lehner und Isabel Fröschl zu ihrer eigenen Arbeit im Feld der Cunt-Art/Clit-Art
19:00 Uhr, Strandgut, Ottensheimer Str. 25, 4040 Linz

16.10., Black Knowledge – White Ignorance
Angela Davis. Portrait of a Revolutionary. Regie: Yolande DuLuart. USA 1972. 60 Min.
Audre Lorde – Die Berliner Jahre. Regie: Dagmar Schultz. DE 2012. 79 Min.
19:00 Uhr, Gassenlokal im Willy*Fred, Graben 3, 4020 Linz
In Kooperation mit dem Infobeisl

23.10., Medien der Erinnerung in S21
S21: Die Todesmaschine der Roten Khmer. Regie: Rithy Panh. KH, FR 2003. 101 Min.
Talk mit Angela Koch die den Dokumentarfilm aus einer erinnerungspolitischen und medienwissenschaftlichen Perspektive diskutieren wird.
19:00 Uhr, Strandgut, Ottensheimer Str. 25, 4040 Linz
In Zusammenarbeit mit der Abteilung MKKT der Kunstuniversität Linz

30.10., Staying in Wonderland
Clipauswahl aus: Green Porno (2008), Seduce Me (2010), Mammas (2013) von Isabella Rossellini.
Performance mit Denice Bourbon
19:00 Uhr, Gassenlokal im Willy*Fred, Graben 3, 4020 Linz
In Kooperation mit dem Infobeisl

Siehe Website gfk

MKKT beim „rundgang 2017“

MKKT ist mit 3 Beiträgen am Rundgang vertreten. 1. und 4. Stock | Domgasse 1

  1. „Denkprozesse“: Soundinstallation und Collagen / zwei Projekte in der Domgasse 1, 4. Stock (DO0417)
  2. Dokumentation vom „Shame Slam“ in der Domgasse 1, 1. Stock (Toiletten und Gang)

Eröffnung: Do, 29. Juni 2017, 18 Uhr, Domgasse 1 (Preview ab 15 Uhr)
Fr, 30. Juni und Sa, 1. Juli 2017, 10 – 18 Uhr | Orientierungsführungen täglich um 16 Uhr

Denkprozesse: Soundinstallation und Collagen / zwei Projekte der Studienrichtung

2Bild_MKKT-Rundgang2017

Fünf Theoretikerinnen erfahren Denken als Praxis. Lesen wird dabei zum Textauflesen, Referieren zum Assoziieren. Kulturwissenschaftliche und literarische Texte liefern Impulse gegen den Stillstand, für ein Aufspüren von Verbindungen, für die Einsicht einer nicht endenden Aussicht. Es ist ein Hervorkehren und Zusammensetzen, ein Aufblitzen und Verschwinden. Was festgeschrieben wird, ist eine Ordnung. Eine unter vielen möglichen.

mit: Hanja Niederhammer, Stefanie Schiefermair, Katharina Rosenbichler, Adrianna-Karolina Miara, Mira Maria Wissmann

relatifs, Sommersemester 2017

Programm der Vortragsreihe relatifs im Sommersemester 2017

25. April 2017 (Keplersalon), 18.00:Erhard Schüttpelz –Medienrevolutionen und andere Revolutionen

23. Mai 2017 (Keplersalon), 18.00: Bernhard Siegert – Transformationsmasken. Passagen

30. Mai (Expostmusik), 18.00: Heide Schlüppmann – Häuslichkeit. Hannah Arendt, der konkrete Raum und das Kino // In Kooperation mit der Vorlesungsreihe Intime Öffentlichkeiten. Medien – Räume – Gemeinsachaften (Chris Tedjasukmana)

20. Juni 2017 (Expostmusik), 18.00: Maria Muhle Künstlerische Praktiken zwischen Mimesis und Aneignung


Veranstaltungsreihe der Abteilungen Kulturwissenschaft und Kunstgeschichte und Kunsttheorie.

Bekanntermaßen heißt »relatif à« so viel wie »bezüglich«, aber auch »einschlägig«; »être relatif/relative à qn/qc« bedeutet: »sich auf jemanden beziehen«. Das »pronom relatif«, das Relativpronomen, ist das »bezügliche Fürwort«, das Wort also, welches im Relativsatz ein Substantiv des übergeordneten Satzes ersetzt. Damit ist das Relativpronomen ein Stellvertreter, der aber ohne den von ihm bezeichneten Referenten nicht existiert.

Im Kunstwort »relatifs« klingen Verhältnisse und Beziehungen an, aber auch Verwandte und Relais. Die Veranstaltungsreihe versteht sich so: als eine Schaltstelle zwischen verschiedenen kunst-, kultur- und medienwissenschaftlichen Ansätzen, als Vernetzungsstruktur zwischen Forschungen, die auf den ersten Blick disparat wirken, wie eine Familienfeier, anlässlich derer auf den Tisch kommt, was gerade unter den Nägeln brennt.

Internationale WissenschaftlerInnen sind eingeladen, über ihre aktuelle Forschung, ihr Vorgehen und offene Fragen zu sprechen. Wir wollen keine Themen setzen, sondern ForscherInnen mit ihren Passionen und Problemen dazu einladen, im Entstehen begriffene Arbeiten zu präsentieren. Wir möchten eine Atmosphäre schaffen, in der Gewagtes diskutiert wird und sich neue Ideen entfalten können.

Die Veranstaltungsreihe wird von Karin Harrasser (Kunstuniversität Linz, Kulturwissenschaft), Anne von der Heiden (KunstuniversitätLinz, Kunstgeschichte und Kunsttheorie) und dem Kepler Salon Linz ausgerichtet.

Vortragsreihe „INTIME ÖFFENTLICHKEITEN: MEDIEN – RÄUME – GEMEINSCHAFTEN“

Vortragsreihe 2017

PLAKAT-Vortragsreihe-2017

PLAKAT-Vortragsreihe-2017

Di. 28.03. 18h: Oliver Marchart (Uni Wien)
Time Loops and Public Spaces
Kunstuni Linz, Ex-Post-Musik-Raum, Domgasse 1, 4. OG

Mi. 26.04. 18h: Brigitte Weingart (Uni Köln)
„If you like gossip with the gloves off, this one is for you!“ – Zur Zirkulation von Klatsch in Celebrity Cultures
IFK, Reichsratsstraße 17, Wien

Di. 02.05. 18h: Leopold Lippert (Uni Salzburg)
Humor, intime Öffentlichkeiten und die Literatur der Amerikanischen Revolution
IFK, Reichsratsstraße 17, Wien

Di. 30.05. 18h: Heide Schlüpmann (Kinothek Asta Nielsen Frankfurt a.M.) 
Häuslichkeit. Hannah Arendt, der konkrete Raum und das Kino
an der Kunstuni Linz, Ex-Post-Musik-Raum, Domgasse 1, 4. OG

Di. 20.06. 18h: Kai van Eikels (FU Berlin)
Public Lucky Hole
Kepler Salon, Rathausgasse 5, Linz

Mit der Datenüberwachung von Apple & Co. wird einmal mehr die Auflösung der Grenze zwischen öffentlich und privat diagnostiziert. Doch ein Blick auf die alltagskulturellen Praktiken im globalen Nordwesten zeigt, dass diese Grenze seit langem brüchig und durchlässig ist – und neue intime Öffentlichkeiten hervorbringt.

Trauerrituale, Polemik, Klatsch und Faszination, dunkle Clubs und Kinos, Airbnb oder einfach das Lesen von Nachrichten oder Liebesgeschichten – was ist öffentlich, was privat? Ist diese Grenzziehung endgültig obsolet oder dringender denn je? Ist sie grundlegend oder lediglich Effekt anderer, beispielsweise ökonomischer, geschlechtlicher und kultureller Trennlinien? Wie öffentlich und sozial ist das Private? Wie privat sind die Privacy-Einstellungen des Internet-Browsers? Welche Zwischenformen generieren Massenmedien und Celebrity Culture? Welche historischen Fälle können den Blick erweitern? Wie aktuell ist die Losung der Zweiten Frauenbewegung, der zufolge das Private politisch sei?

Eine Veranstaltung der Abteilung für Medientheorien an der Kunstuniversität Linz und des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften (IFK) in Wien in Kooperation mit dem Forschungsprojekt „Bewegungs-Bilder 2.0“ der VolkswagenStiftung und dem Kepler Salon in Linz.

Konzeption: Dr. Chris Tedjasukmana ist Gastprofessor für Medientheorien an der Kunstuniversität Linz, Ko-Leiter des VW-Forschungsprojekts „Bewegungs-Bilder 2.0“ (FU Berlin), Mitherausgeber der Zeitschrift Montage AV und 2017/18 Gast des Direktors am IFK. 2014 erschien sein Buch Mechanische Verlebendigung. Ästhetische Erfahrung im Kino, im selben Jahr erhielt er den Karsten-Witte-Preis.

Aktuelle Infos, Programm und Termine unter ufg.at und ifk.ac.at


ABSTRACTS:


Di. 28.03. 18h: Oliver Marchart (Uni Wien): TimeLoops and Public Spaces
Die Gegenwart scheint von Horrorclowns beherrscht. Die Vergangenheit – Faschismus, Nationalismus, die Weimarer Republik – ist als Farce zurückgekehrt, während die Zukunft am Ende ist. Lässt sich eine andere Zukunft vorwegnehmen? Der Vortrag stellt die Frage nach dem Verhältnis von Öffentlichkeit und Zeit, nach Stasis, Aufruhr, Paralyse, Präfiguration und der künstlerischen Praxis des Pre-enactments.

Oliver Marchart ist Univ.-Professor für Politische Theorie an der Universität Wien. Zu seinen jüngeren Buchveröffentlichungen zählen: Die politische Differenz. Zum Denken des Politischen bei Nancy, Lefort, Badiou, Laclau und Agamben (Berlin: Suhrkamp 2010); Die Prekarisierungsgesellschaft. Prekäre Proteste. Politik und Ökonomie im Zeichen der Prekarisierung (Bielefeld: transcript 2013); Das unmögliche Objekt. Eine postfundamentalistische Theorie der Gesellschaft (Berlin: Suhrkamp 2013) und Conflictual Aesthetics. Artistic Activism and the Public Sphere (Berlin: Sternberg Press, im Erscheinen).


 Mi. 26.04. 18h: Brigitte Weingart (Uni Köln): „If you like gossip with the gloves off, this one is for you!“  Zur Zirkulation von Klatsch in Celebrity Cultures 
Der Vortrag bezieht die Frage nach den „Zwischenformen“ von Intimität und Öffentlichkeit, die in der Vortragsreihe über Intime Öffentlichkeiten gestellt wird, auf Medienkulturen der Berühmtheit. Ausgehend von Beispielen aus Geschichte und Gegenwart des Celebrity Gossip geht es um die konstitutive Beziehung von Klatsch und Berühmtheit – sowie nicht zuletzt um die Besonderheiten, die sich in den affektiven Aushandlungen des Verhältnisses von Celebrities und ihren Followern in den „networked publics“ der Online-Kultur beobachten lassen. 

Brigitte Weingart ist Professorin für Medienkulturwissenschaft an der Universität zu Köln. Zurzeit arbeitet sie an einer Studie zur Genealogie und Medienästhetik der Faszination. Im April erscheint die Zeitschrift für Medienwissenschaft Nr. 17 mit dem Themenschwerpunkt „Celebrity Cultures“, den sie mit Peter Rehberg herausgegeben hat.


Di. 02.05. 18h: Leopold Lippert (Uni Salzburg): Humor, intime Öffentlichkeiten, und die Literatur der Amerikanischen Revolution
In ihrem Buch Über die Revolution attestiert die politische Theoretikerin Hannah Arendt den U.S.-amerikanischen „Gründervätern“ des späten 18. Jahrhunderts Lust und Leidenschaft an der politischen Debatte – eine affektive Haltung, die zentral für ihr Verständnis von Öffentlichkeit wird. Kulturhistorisch betrachtet waren die politischen Auseinandersetzungen der amerikanischen Revolution aber nicht nur lustvoll, sondern auch lustig: Pamphlete, Zeitungsartikel, Dialoge, und „Propagandastücke“ bedienten sich humoristischer Strategien, um eine öffentliche Debatte zu führen. An der Schnittstelle von Affekt und Öffentlichkeit, so soll der Vortrag zeigen, entstand durch solch „revolutionären“ literarischen Humor eine Form öffentlicher Intimität: zwischen Leser*in, Autor*in und politischem Argument.

Leopold Lippert ist Postdoc-Projektmitarbeiter am FWF-Projekt „Gender and Comedy in the Age of the American Revolution“ an der Universität Salzburg, und war zuvor als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Wien und Graz beschäftigt. Er promovierte 2015 an der Universität Wien mit der Arbeit „Performing America Abroad: The Politics of Transnationalism in the Age of Neoliberal Difference“ (ausgezeichnet mit dem „Fulbright Prize in American Studies“). Er ist Mitglied des DFG-Forschungsnetzwerks „Cultural Performance in Transnational American Studies“; Mit-Herausgeber des Bandes „The Politics of Gender in Early American Theater“ (erscheint 2017); und veröffentlichte Aufsätze zu frühem und zeitgenössischem U.S.-Theater,  amerikanischem Fernsehen, transnationalen Kulturprozessen im U.S-Kontext, LGBTIQ*-Kulturen in den USA, sowie zu „cross-racial“ Performances. Er schreibt außerdem regelmäßig beim Theaterportal nachtkritik.de.


Di. 30.05. 18h: Heide Schlüpmann (Kinothek Asta Nielsen Frankfurt a.M.): Häuslichkeit. Hannah Arendt, der konkrete Raum und das Kino / In Kooperation mit der relatifs-Reihe (Karin Harrasser und Anne von der Heiden) an der Kunstuniversität Linz.
In der Öffentlichkeitsdebatte bildete Hannah Arendt eine Ausnahme: als einzige hob sie die Bedeutung des Privatraums neben der Öffentlichkeit und als unerlässlich für deren Wirklichkeit hervor. Darin lag entschieden eine Verbindung der politischen Philosophin zur Frauenbewegung. Das Augenmerk für das Private nahm auch die feministischen Filmkritik auf. Teresa de Lauretis rückte zudem in den Blick, wie sich im Film eine kulturgeschichtliche Konnotation von Raum und Zeit mit der Frau dort, dem Mann hier, wiederholte. Das gibt bei der Verbreitung einer Filmtheorie wie die von Gilles Deleuze, die so sehr auf die Zeit abhebt, zu denken. Womöglich allerdings beruhrt die Konstitution eines ästhetischen Felds insgesamt auf der Verdrängung des Privatraums. In deren Zuge ginge dann auch die Intimität zwischen Film und äußerer Wirklichkeit verloren.

Heide Schlüpmann widmete sich dem Studium der Philosophie in den 60er Jahren, des Kinos seit 1970. Von 1991-2008 betrieb sie Lehre und Forschung der Filmwissenschaft als Kinowissenschaft. Nach der Universität arbeitet sie neben dem Schreiben verstärkt in der Kinothek Asta Nielsen e.V. in Frankfurt am Main mit. Deren Projekt für Herbst 2018 ist das Filmfestival Transito. Elvira Notaris Kino der Passage. 1997 veröffentlichte sie Öffentliche Intimität. Die Theorie im Kino; 2015 erschien Das innere Bild. Zu einem verlorenen Begriff der Seele.


Di. 20.06. 18h: Kai van Eikels (FU Berlin): Public Lucky Hole
Öffentlichkeit ist nicht einfach da, zentral verordnet und administriert durch eine Allianz von Staat, zivilen Institutionen und redaktionellen Medien. Sie kann fehlen, wo sie behauptet wird, und unerwartet entstehen, wo immer Menschen einander in der Distanz von Gleichen adressieren. Michael Warner betont in „Publics and Counterpublics“ die Performativität des Öffentlichen. Exhibitionisten wie athleticpisspig, der auf Straßen und Plätzen dicht bevölkerter Innenstädte allein und mit Partnern ‚Wassersport‘ treibt, um Videos davon online zu stellen, testen diese performative Verfassung. Was erfahren wir aus solchen Aktionen über Strategien im Umgang mit einem löchrigen, aus Distanzen gestrickten Beziehungsgewebe? Worin ist oder wird das öffentliche Rumsauen politisch?

Kai van Eikels ist Philosoph, Theater- und Literaturwissenschaftler und arbeitet an der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Kollektivformen wie „Schwärme“ oder „Smart Mobs“, Kunst und Arbeit, Performance und Politik. Aktuelle Veröffentlichungen: Die Kunst des Kollektiven (2013), Art works – Ästhetik des Postfordismus (mit dem Netzwerk Kunst + Arbeit, 2015); Szenen des Virtuosen (mit Gabriele Brandstetter und Bettina Brandl-Risi, 2016); Theorie-Blog: https://kunstdeskollektiven.wordpress.com


Der Vortrag von Geert Lovink (Institute of Network Cultures, H.v. Amsterdam) über Social Media und digitale Öffentlichkeiten muss leider verschoben werden.

Breaking Free | Staying Bound, 14.06.2017, 19 Uhr, Sparkasse Linz

Ein Abend über Herkunftsscham und die Schamlosigkeit des Kapitals

schamlosspray

Gibt es einen Weg von einem Milieu in ein anderes, ohne sich für die Herkunft zu schämen? Ist die Universität ein Ort der Scham? Wie geht Scham in einer sich andauernd optimierenden sozialen Formation? Kann man Scham entsorgen und was wäre eine Gesellschaft ohne Scham? Sollten sich Theoretiker_innen schämen? Wie schamlos ist das Kapital? Diesen Fragen (und anderen Peinlichkeiten) gehen wir in einem Shame-Slam nach.

Es ist keine Schande, dabei ein wenig rot zu werden.

In freundlicher Kooperation mit der Sparkasse OÖ und der Gesellschaft für Kulturpolitik OÖ.

Für Drinks und Snacks ist gesorgt! See you there & schämt euch für uns mit!

Wann: 14.06.2017, 19 Uhr
Wo: Sparkasse Linz, Promenade 11-13

Eintritt: frei, wir bitten dennoch um Platzreservierung unter: http://www.gfk-ooe.at/event/breaking-free-staying-bound/

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