13.-17.06.2016: Exkursion Ruhrgebiet

Die Exkursion fand im Rahmen des Seminars „Transformationen des Sub/Urbanen. Arbeit und Migration im Ruhrgebiet“ von Angela Koch und Katrin Köppert statt.

Im Seminar erfolgte eine Auseinandersetzung mit den Effekten einer neu entstandenen Dienstleistungsgesellschaft im ehemaligen Zentrum der Schwerindustrie wie der Industriekultur/natur, Geschichten der Migration und Arbeit, Veränderungen des Klassenbewusstseins. Außerdem begaben sich die Studierenden auf eine Spurensuche nach den ästhetischen, populärkulturellen und vernakulären Räumen, die quer zur binären Grenzziehung von Urbanität und Ruralität, Heimat und Diaspora, Metrohomonormativität und Queer Suburbia liegen.

Kurzbericht der Exkursion // Verfasser: Andreas Liska

Im Frühsommer dieses Jahres haben wir uns in einer kleinen Gruppe von 10 Leuten der Studienrichtung MKKT Richtung Ruhrgebiet aufgemacht, um dort das vielfältige kulturelle Erbe des (früh)industriellen Zeitalters zu erkunden. Obwohl es nicht sehr sommerlich war und der Regen uns bei den vielen Rundgängen im Freien zu schaffen machte, haben wir einige der ehemaligen Schlacke-Halden bestiegen, die heute von üppiger Vegetation überwuchert sind und eher wie in dieser Umgebung deplazierte Berglandschaften anmuten. Auf ihnen sind teilweise sehr groß dimensionierte, meist begeh- und erkletterbare Skulpturen entstanden.

Wir haben auch einige Zechen, also ehemalige Steinkohlebergwerke, gesehen, die noch in Betrieb sind, viele von ihnen stehen aber verwaist in der Landschaft und harren einer ihnen würdigen Nachnutzung. Die ‚Zeche Zollverein‘ in Essen und die ‚Zeche Zollern‘ in Dortmund scheinen sich aber ihres wertvollen Erbes bewusst zu sein und bieten interessierten Besucher*innen vielfältige Einblicke in ihre glorreiche Vergangenheit sowie in eine mögliche ebenso spannende Zukunft solcher grandioser Industriebrachen.

Die Nachnutzungspotentiale dieser Anlagen scheinen tatsächlich unerschöpflich, nicht nur wegen des immensen Platzangebots auf diesen Flächen, sondern auch wegen ihrer architektonisch einzigartigen Kulisse, die sie für Theater, Tanz, Musikveranstaltungen, Ausstellungen, usw. prädestiniert erscheinen lassen.

Ein weiteres wichtiges Thema für uns, sowie natürlich auch für die ganze Region des Ruhrgebiets, ist die Frage nach dem gesellschaftlichen und infrastrukturellen Wandel. Viele der ehemaligen Arbeiterhäuser, die rund um die Zechen angeordnet waren, werden nun von Menschen bewohnt, die ganz wo anders arbeiten und somit auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Auto angewiesen sind. Das dadurch massiv verstärkte Verkehrsaufkommen vor allem auf und um die Autobahnen prägt heute die Gegend und die alltäglichen Wege der Ruhrgebietsbewohner*innen.

Da auch hier zunehmend in Supermärkten und Shopping Malls eingekauft wird und es daher kaum mehr kleine Läden in den Arbeitersiedlungen gibt, potenziert sich das Verkehrsaufkommen auf der Straße zusätzlich. Ein paar wenige Gegenströmungen scheint es aber zu geben, so kann man auf einem relativ gut ausgebauten Radweg einer Industrieroute folgen, die einem viele interessante Orte dieses ehemals so wichtigen Wirtschaftszweiges näherbringen soll. Insgesamt hätte diese Gegend sicher noch viel mehr Potential für den Fahrradverkehr, da es dort sehr flach ist und die Straßen abseits der Hautverkehrsverbindungen relativ ruhig sind.

Als Abschluss der Exkursion waren wir in Duisburg und haben den multikulturell geprägten Stadtteil Marxloh erkundet. Wir haben dort eine Moschee, eine Kirche, einen sehr aktiven Kulturverein und einen der dort sehr stark vertretenen Brautgeschäfte besucht.

Alles in allem war das eine sehr aufschlussreiche Reise, vor allem in Bezug auf die auch in Österreich immer wichtiger werdende Thematik des Umgangs mit alter, wertvoller, und zum Teil denkmalgeschützter Bausubstanz und möglicher Strategien der Nach- bzw. Weiternutzung.

Fotos: Amina Lehner