2014: Leonie Lehner – Räume dazwischen.

Ein Versuch über Zwischenräume in den Zeichnungsinstallationen von Nicole Eisenman

THE ARTCAT CALENDAR 6.02.2015

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Masterarbeit, 2014

Medienkultur- und Kunsttheorien

Datum der Approbation: 3. Juni 2014
Betreuung: Univ.-Prof. Dr. phil. Anne von der Heiden

Räume dazwischen werden in Bezug auf die Praxis des Anordnens von Werken durch die Künstlerin Nicole Eisenman, die seit Beginn der 1990er-Jahre wiederholt Installationen ihrer Zeichnungen selbst konfiguriert – teils erweitert durch eingebaute Objekte oder Filme, die in den Ausstellungsraum ragen (bei Filmen mittels der Apparaturen, die zur Sichtbarmachung benötigt werden) –, gelesen. Der Fokus liegt hierbei auf der Raumbildung künstlerischer Arbeiten wie Zeichnungen und Malereien: um herauszuarbeiten, dass die zweidimensionalen Werke auf drei Ebenen Raum „greifen“. Die erste Ebene wäre die Performanz der Kunstwerke selbst (vgl. von Hantelmann 2007, 11). Eine zweite Ebene der Raumbildung bezieht sich auf die Gleichzeitigkeit der unterschiedlichen Inhalte der Zeichnungen, die in einer Art „Petersburger-Hängung“ oder „Salon-Hängung“ im Ausstellungsraum angeordnet sind. Aufgrund dieses gewählten Arrangements an Werken ist es möglich, dass sich eine Räumlichkeit herauskristallisiert, die eine Nähe zu Homi K. Bhabhas Theorie des Zwischenraums aufweist. Als dritte Ebene wird die Handlung des Hängens selbst betrachtet, die von Eisenman vorgenommen wird. Das Hängen wird als raumproduzierende Tätigkeit verstanden, die zwar im institutionalisierten Raum vor sich geht, aber zurückgreift auf eine Praxis, die versucht, Instanzen der Machtausübung zu unterwandern. Dies bedeutet, dass sich im Bereich eines etablierten Raums abermals eine Räumlichkeit ankündigt, die keinen definierten Status aufweist und sich in einem „da-zwischen“ befindet. Die Künstlerin erarbeitet somit eine Methode, die für einen festgelegten zeitlichen Rahmen an der Skizzierung einer narrativen, symbolischen Raumnahme und einer Raumbildung durch Handlung beteiligt ist, welche wiederum in sozialen Raumpraxen eingeschrieben sind. Somit soll einerseits die Produktion von Raum und Wissen auf künstlerischer Ebene hervortreten und andererseits das Aufscheinen von Raum mittels einer Handlungsweise durch die Künstlerin als Akt des Eingreifens in eine kuratorische, meist heteronormative Definitionsmacht.
Um den Räumen dazwischen in den Zeichnungsinstallationen Eisenmans näherzukommen, wird dargelegt, wie, in Anlehnung an die Zwischenräume in der künstlerischen Arbeit, ein „da-zwischen“ in der Ausbildung von kulturellen Differenzen bei Bhabha hervortritt. Als Einstieg in das künstlerische Werk Eisenmans und deren raumproduzierende Praktiken dient ein Abriss über die Punk-Bewegung in New York, die mit ihren dezentralisierenden Techniken wie beispielsweise der Selbstdistribution von Musik und visuellen Werken an einer Verschiebung von Machtverhältnissen und damit auch an einem Raum-Einnehmen arbeitete.

Von Hantelmann, Dorothea: How to Do Things With Art, Zürich-Berlin (diaphanes), 2007.